Das ganze Theater um den Schneesturm fing schon Tage bevor es überhaupt losgehen sollte an. Als Gesprächsthema Nummer 1 konnte man überall das bevorstehende Winterchaos vernehmen. Allen nicht Amerikanern ging das auch ziemlich schnell auf den Keks, da wir so überhaupt nicht verstehen konnten warum man wegen „etwas“ Schnee so eine Panik schiebt. Für uns stand eigentlich fest: lasst es Schneien und dann wird während es schneit und danach einfach einmal alles zur Seite geschoben und gut ist. Aber hier hat man scheinbar eine etwas andere Meinung dazu!
Der Schneesturm war für Freitagnachmittag bis Samstagnacht vorhergesagt. Aber schon am Donnerstagabend hieß es auf der Homepage des GSFC „Code Red“ für Freitag. Code Red bedeutet so viel, dass keine Mitarbeiter auf das Gelände kommen sollen / können. Also bedeutete dies für mich, dass ich am Freitag mehr oder weniger ausschlafen konnte und dann von meinem Zimmer aus ein wenig arbeiten würde. Dem war dann aber nur bedingt so! Am Freitagmorgen hat mich dann Angelo angerufen und meinte zu mir, dass ich unbedingt jetzt noch einkaufen müsse, wenn ich was bräuchte, da alles zur Mittagszeit in der Stadt schließen würde! Man bedenke, es ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht eine einzige Schneeflocke vom Himmel gefallen! Da ich nun dummer Weise wirklich einkaufen musste, da mein Kühlschrank leer war, habe ich mich dann gegen 9 Uhr vormittags auf den Weg gemacht. Mein eigentlich Plan bestand ja darin, erst zum Supermarkt zu gehen wenn es schneit, denn erfahrungsgemäß geht dann fast kein anderer mehr einkaufen, aber so hab ich es dann halt vorgezogen – mit allen Konsequenzen die daraus entstanden!
Kaum bei Giant angekommen gab es schon das erste Problem. Alle Einkaufswagen und Körbe waren schon in Betrieb! Also hab ich hinter den Kassen die Leute abgefangen und nach ca. 10 Minuten dann auch einen Einkaufswagen ergattern können. Als ich dann zu Giant richtig reinkam gleich der nächste „Schock“: Fast alle Obst und Gemüseregale waren wie leergefegt! Aber dabei sollte es nicht bleiben! Jedes zweite Regal war entweder komplett leer oder zu mindestens bot es nur noch eine sehr eingeschränkte Auswahl! Im Kühlregal, in dem normalerweise die Fleischwaren liegen, gab es nicht ein einziges Produkt mehr! Die Amis haben dort eingekauft als würde die Apokalypse bevorstehen und es nie wieder etwas zu Essen geben. Nichts desto trotz konnte ich alle nötigsten Sachen noch zusammen bekommen (u.a. auch eine der letzten vorhandenen Pizzen :D ) und mich dann an die Kassen anstellen. Und schon sind wir beim nächsten Problem: Stellt euch den Giant Markt etwa von der Größe so groß vor wie in etwa 3 durchschnittliche Aldi Märkte in Deutschland. Bei Giant gibt es insgesamt 18 (!!!) Kassen, die an diesem Tage auch alle besetzt waren. Ich habe ungefähr 40 Minuten angestanden bis ich an der Kasse war!!! Einkaufen kurz vor Weihnachten ist dagegen ein Kinderspiel :D
Der Rest des Tages war dann auch recht entspannt. Ich habe etwas von meinem Zimmer aus gearbeitet und konnte dann ab Mittag dem langsam einsetzenden Schneetreiben zuschauen. Am Abend bin ich dann noch durch die 2cm Schneedecke zu Yolis und Davids Apartment gelaufen und habe mich dort mit den beiden getroffen. Die Straßen waren zu dem Zeitpunkt wie leer gefegt!
Am Samstagmorgen sah es dann auch schon ein wenig anders auf den Straßen aus! Es hat die ganze Nacht kräftig durch geschneit, so dass Schätzungsweise ca. 30 bis 40cm Schnee lagen. Hin und wieder hat man mal einen SUV mit 4 Radantrieb durch die Straßen fahren sehen oder sich eine Feuerwehr durch quälen sehen (eine hat sich für kurze Zeit in der Nähe von unserem Haus festgefahren ;) ), aber ansonsten war es schon echt ruhig.
Gegen Mittag haben Victor und ich beschlossen uns mal die Stadt im Schneetreiben ein wenig anzuschauen. Wann bekommt man auch schon Groß die Chance DC in einer solchen Wetterlage zu erkunden? Also haben wir uns beide von unseren Wohnungen zur Metrostation durchgeschlagen. Die Metros fuhren auch nur noch Unterirdisch und selbst dort in einem sehr eingeschränkten Tackt. Aber von Straßenräumen oder Gehwege frei halten hielten die Amis nicht allzu viel. Nur die wenigsten haben mal ein wenig vor ihrem Haus eine Gasse freigemacht.
Wir sind dann bis Chinatown mit der Metro gefahren und sind dann von dort aus Richtung Weißes Haus gelaufen. Die Straßen gehörten uns, denn die waren auch hier kein bisschen geräumt. Lediglich vor den Hotels oder anderen größeren Häusern gab es ein paar Leute, die die Gehwege freigehalten haben.


Kaum in der Nähe vom Weißen Haus angekommen trauten wir unseren Augen nicht! Dort wurden Heerscharen von Leuten eingesetzt um die Wege vom und zum Weißen Haus freizuhalten.

Auch die kleinsten Mitbewohner der Stadt hatten es nicht mehr einfach. Dieser Squirrel schien vor einem Baum sich irgendwie einen Weg zu seinen Futterreserven zu buddeln. Waren ja nur ca. 40 bis 50 cm Schnee an dieser Stelle ;)

Nicht das nur die Wege rund um das Weiße Haus freigeräumt wurden, nein auch der Springbrunnen davor plätscherte munter vor sich hin. Man gönnt sich ja auch sonst nichts.
Weiter ging es dann von dort aus Richtung National Mall.


Und es zeigte sich wieder einmal eindrucksvoll wo die Macht und das Geld in DC stecken. Auf den großen „Prachtstraßen“ wurde geräumt was das Zeug hielt, kam man jedoch in die Bereiche wo eigentlich die Leute leben, war von Räumdiensten weit und breit nichts zu sehen!
Hier mal noch ein Bild von der Metrostation Smithsonian die sich direkt auf der National Mall befindet.
Und noch das letzte Foto, bevor es dann wieder in die warme Wohnung ging.
Eigentlich hatten wir noch von einer großen Schneeballschlacht im Internet gelesen, die zwischen Weißen Haus und National Mall stattfinden sollte. Jedoch war dies bzgl. dort tote Hose denn es hat irgendwie alle nach Dupont Circle verschlagen. Ein Video davon, wie hier in DC eine Schneeballschlacht ausschaut, könnt ihr euch auf Youtube anschauen!
Dann hab ich auch noch eine Website gefunden, auf der erklärt wird, wie man sich am Besten im Schneesturm verhalten soll. Das erklärt natürlich einiges, warum die Supermärkte leer waren und sich die Leute zuhause ein geigelt haben. Alle Infos was draußen so passiert ist, bekam man ja schließlich aus allen möglichen Medien.
Der nächste Tag (Sonntag) war dann richtig super! Blauer Himmel und Sonnenschein und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Also ideales Winterwetter! Hieß dann für mich wieder mit Victor treffen und auf den Weg Richtung National Mall machen. Aber vorab noch ein paar Bilder aus meiner Straße und Nachbarschaft.
Vor dem Naturkundemuseum konnte man dann auch eindrucksvoll sehen, wie die Dinosaurier ausgestorben sind ;)

Hier zeigt sich mal wieder der Nachteil einer mehr oder weniger manuell zu bedienenden Ampel :)

Dupont Circle: Hier hat am Tag zuvor noch die große Schneeballschlacht stattgefunden.

Am Abend fand dann auch noch das Sportereignis des Jahres statt – der Super Bowl. Dieses Event konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und somit habe ich mich mit Santi, Yoli und David in einer Bar getroffen, so dass wir uns dies live im Fernsehen anschauen konnten. Zu unserer Überraschung waren aber alle Bars relativ leer. Wir sind und nicht ganz sicher ob es nur am vielen Schnee lag oder ob man den Super Bowl eher mit Freunden oder allein zu Hause schaut. Aber die Leute die sich in der Bar eingefunden haben, haben auch ein wenig Stimmung gemacht. So wurde jeder Touchdown lauthals beschrien. Auch sehr interessant war, dass man während der Übertragung eigentlich mehr Werbung als Sport sieht. Jede Spielpause wird dazu genutzt Werbung einzublenden. Und die Leute gehen darauf auch mehr oder weniger ab. Teils wurden Werbespots beklatscht und darüber diskutiert. Man muss allerdings dazu sagen, dass Werbespots, die zu diesem Zeitpunkt ausgestrahlt werden, zu den teuersten gehören die man so im Fernsehen platzieren kann! Dementsprechend waren auch viele recht originell gestaltet.
Auch die folgenden Tage waren hier noch stark geprägt vom vielen Schnee. So konnte ich bis einschließlich Donnerstag nicht auf Arbeit fahren, da das NASA Gelände weiterhin unter Code Red operierte. Selbst wenn dies nicht so gewesen wäre, hätte ich keine Chance gehabt dort hinzukommen, da Metros überirdisch nicht fuhren und der Busverkehr sehr eingeschränkt war. Und da die Situation ja hier ohnehin schon leicht problematisch war, gab es am Dienstag gleich mal den nächsten Schneesturm :D
Dieser hatte dann meiner Meinung nach auch den Ruf eines Sturms verdient, denn die Schneeflocken sind an diesem Tag horizontal vor meinem Fenster entlang geflogen. Insgesamt gab es dann seit dem Wochenende ca. 60 cm Schnee hier. Fand ich irgendwie toll, mal abgesehen davon, dass ich nur von meinem Zimmer aus arbeiten konnte.
Aber während der ganzen Zeit habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie es den Amis gelungen ist zum Mond zu fliegen, wenn sie nicht einmal in der Lage waren den Schnee ordentlich in ihren Straßen zu räumen. Denn diese waren hier die ganze Zeit einfach nur chaotisch! Die Gehwege waren, je nach Hausbesitzer, nur unterschiedlich gut geräumt und die Straßen wurden weitestgehend total ignoriert. Wenn denn mal ein Räumfahrzeug vorbei kam, wurde lediglich Salz oder sonstige Chemikalien auf den Schnee geworfen, was den tollen Effekt hatte, dass zwar der Schnee weniger wurde, aber das Wasser umso mehr! Dieses konnte dann auch nicht richtig abfließen, so dass die Straßen hier zu den reinsten Matschflüssen wurden.
Am letzten Freitag ist dann auch wieder der große Tag gekommen, an dem wir endlich mal wieder aufs NASA Gelände fahren konnten. Leider erst am Freitag und nicht am Donnerstag!!! Denn am Donnerstag wurde der Satellit SDO, von dem das Programm an dem ich arbeite seine Daten bekommen soll, mittels einer Atlas V Rakete ins All geschossen (Spiegel und Stern Bericht). Eigentlich sollte ja eine Launchparty am GSFC stattfinden welche aber durch die Wetterkapriolen hier ausgefallen ist. So konnte ich mir den erfolgreichen Start nur im Internet live anschauen.
Super ärgerlich war dann am Freitag noch, dass unser Bus am Abend nicht gefahren ist. Dies hatte für Markus und mich die folge, dass wir knapp eine Stunde auf den nächsten (total verspäteten) lokalen Bus warten mussten und ich im Enddefekt etwas mehr als eine Stunde länger nach Hause gebraucht habe.
Gestern hieß es für mich dann mal wieder etwas durch die Museen hier zu streifen. So habe ich unter anderem mal einen Blick ins Postal Museum geworfen. Am Abend wurde ich dann noch spontan von Angelo gefragt, ob ich denn nicht mit ins Kino wolle. Wir haben uns dann The White Ribbon (Das weiße Band) hier auf Deutsch mit englischem Untertitel angeschaut. Ich fand den Film sehr gut, auch wenn das Ende etwas gewöhnungsbedürftig ist.
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